Schlagwort-Archiv: gay art

Gökhan Tuncyürek bei der Gruppenausstellung The Male Figure XV

The Male Figure XV
Internationale Gruppenausstellung
noch bis 11. April 2026

Geprägt vom Berliner Graffiti der 1990er Jahre, transformiert Gökhan Tuncyürek die Dynamik des „Style-Writing“ in eine eigenständige, abstrakte Formensprache. Seine Kompositionen bewegen sich zwischen der Strenge des lateinischen Alphabets und Einflüssen des Konstruktivismus. Dabei bricht Tuncyürek die urbane Ästhetik in komplexe Symmetrien auf, die weit über klassische Graffiti-Assoziationen hinausgehen. In seinen skulpturalen Arbeiten nutzt er vorzugsweise Holz, um die Facetten menschlicher Existenz greifbar zu machen. Die markanten, kantigen Formen verstehen sich als bewusster Kontrapunkt zur gesellschaftlichen Konformität. In der in der Gruppenausstellung „The Male Figure XV“ gezeigten Arbeit „protect me“ thematisiert er das Paradoxon von Schutz und Verletzlichkeit: Eine abweisende Hülle aus Spitzen fungiert als Schutzschild, während im Inneren ein weicher Kern die männliche Zerbrechlichkeit offenbart. Ein energievolles, dynamisches Werk, das urbane Street Art in zeitgenössische, skulpturale Abstraktion überführt.

Jens Schubert bei der Gruppenausstellung The Male Figure XV

Jens Schubert, Stecher, Prägedruck in Bütten, Variation 1/5, 60x42cm, sign., dat. 2024

The Male Figure XV
Internationale Gruppenausstellung
noch bis 11. April 2026

Die Prägetechnik auf Büttenpapier entstand mit der Druckgrafik. Erst in der Moderne emanzipierte sich die Prägung vom Bildinhalt und wurde zur Skulptur auf der Fläche. Die Prägungen modulieren Licht und Schatten, das Papier selbst wird durch die Verformung zum dreidimensionalen Objekt. In der aktuellen Gruppenausstellung The Male Figure XV ist Jens Schubert mit einem Werk vertreten, das diese Technik nutzt, um den Bildinhalt erst auf den zweiten Blick erkennbar zu machen. Das Werk vereint einen sanften, ätherisch wirkenden Farbverlauf im Hintergrund mit einer extrem präzisen Blindprägung aus harter Geometrie. Das komplexe Geflecht besteht aus Dreiecken, Kreisen und Linienbündeln und fast schon architektonischen oder maschinenartigen Versatzstücken. In der Bildmitte bildet eine organische Struktur den Gegenpol zu den technischen Linien. Durch die Pastelltöne wirkt die Komposition trotz ihrer Komplexität leicht, fast schwebend. Erst ein Schritt zurück offenbart den Bildinhalt. Die traditionelle Schwere des Büttenpapiers bricht mit der modernen Farbigkeit und dem Motiv. Selbst der Titel „Stecher“ könnte eine Anspielung auf das Handwerk des Kupferstechers sein, welches die hier für die Prägeform genutzte Metallbearbeitung begründet hat. Jens Schubert lässt offen, ob er den Titel darauf, oder den Bildinhalt bezieht.

Andreas Ehret bei der Gruppenausstellung The Male Figure XV

The Male Figure XV
Internationale Gruppenausstellung
noch bis 11. April 2026

Andreas Ehret hat 1975 seine Ausbildung als Porzellandreher in der Berufsschule der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meißen begonnen. Anfang der 1990er-Jahre arbeitete er in der künstlerischen Entwicklung der Meißener Manufaktur und absolvierte parallel ein Design-Studium. Seit fast 20 Jahren ist er jetzt als freischaffender Porzellan-Designer tätig. Für ihn ist sein künstlerisches Medium Porzellan ein „charismatischer Stoff, [es ist] eine Herausforderung […] es zu beseelen, zu befragen, indem ich Konflikte in die Formen hereintrage…“. Andreas Ehret hat seine eigene Technik der Porzellanarbeit entwickelt, weil er frei mit dem Material arbeiten möchte. Figürliches Porzellan wird in der Regel seriell gefertigt. Es wird zunächst ein Tonmodell erstellt, dieses in ausformbare Teile zerlegt, von denen dann Gipsformen abgegossen werden. So entstehen aber keine Unikate. Deshalb walzt Ehret plastische Porzellanmasse in gleichmäßiger Stärke aus und schneidet die Teile im lederhaften Zustand zurecht. Diese werden dann mit Porzellanschlicker zu einer Figur zusammengesetzt. Dabei muss beachtet werden, dass das Material im Brand weich wird. Der Künstler arbeitet also als Statiker, der die zusammengefügten Teile sich gegenseitig stützen lässt. Diese Technik hat für Ehret den Reiz, dass sie zu einer gewissen Abstraktion und Konzentration auf das Wesentliche zwingt. Thematisch fokussiert sich Ehret auf die männliche Figur und den individuellen Umgang mit Lustempfinden. Oft zitiert er mit seinen Skulpturen andere Kunstwerke oder Kunstfiguren und überführt sie in seine eigene Formensprache.

Daniel Jaen bei der Gruppenausstellung The Male Figure XV

Daniel Jaen, Territory III, Öl auf Leinwand, 50x50cm, sign. inverso, dat. 2025, gerahmt

The Male Figure XV
Internationale Gruppenausstellung
noch bis 11. April 2026

Daniel Jaen ist in Brasilien geboren wurde und lebt derzeit in Spanien. Den männlichen Körper zeigt er in seinen Werken als Ort der Verletzlichkeit, des Begehrens und als Manifestation der politischen Sichtbarkeit. Mit figurativer Malerei lotet er die Spannung zwischen Intimität und Entblößung aus und hinterfragt, wie der moderne queere männliche Körper in der heutigen Gesellschaft konstruiert, mythologisiert und wahrgenommen wird. Seine dynamischen und fragmentierten Pinselstriche evozieren männliche Zerbrechlichkeit und lassen Figuren in ihren sensibelsten und instabilsten Formen hervortreten. Sichtbare Skizzenstriche, fragile Farbschichten und vermeintlich unvollendete Bereiche führen seine Gemälde über die physische Darstellung hinaus und eröffnen psychologische und emotionale Dimensionen von Identitäten. Jedes Gemälde ist an der Schwelle zwischen dem Persönlichen und dem Kollektiven verortet, wo sich für Jaen Sinnlichkeit und stille Rebellion begegnen.

Pierre Etienne Lenoir bei der Gruppenausstellung The Male Figure XV

Pierre Etienne Lenoir, Onsen, Acryl auf Leinwand, 73x100cm, sign., dat. 2025, gerahmt

The Male Figure XV
Internationale Gruppenausstellung
noch bis 11. April 2026

Pierre Etienne Lenoir hat parallel zu einer juristischen Berufslaufbahn zum künstlerischen Schaffen gefunden. Aus der Juristerei ist ihm geblieben, die Welt mit analytischer Strenge zu betrachten, Strukturen zu durchdringen und sowohl das Sichtbare als auch das Unsichtbare zu hinterfragen. Mit seinen Werken versucht er nicht, eine Idee zu illustrieren, sondern ihre Beschaffenheit zu erspüren und ihre Komplexität in bildnerische Formen zu übersetzen. Seine Arbeiten zeigen sein Bedürfnis nach Ordnung und Struktur. Jedes Gemälde ist ein kathartischer Versuch, das Chaos der Welt in eine lesbare und poetische Form zu bringen, und zugleich eine Einladung, sie anders zu betrachten. Kräftige, klare Acrylfarben werden durch ein Netz schwarzer Linien strukturiert, das an Kirchenfenster erinnert und die architektonische Dimension jeder Leinwand verstärkt. Mit seinem markanten Stil an der Schnittstelle von Kubismus, Art Déco und grafischer Erzählkunst erschafft er Szenen des Alltags neu, indem er sie in Facetten zerlegt. Männliche Figuren in Momenten der Intimität interessieren Lenoir besonders und trotz der Zersplitterung in geometrische Formen arbeitet er seine Motive extrem präzise und plastisch aus und erschafft damit kraftvolle und dennoch ruhende Momentaufnahmen, bei denen die harten Kanten der Geometrie mit der organischen Form des menschlichen Körpers kontrastieren.

Naro Pinosa bei der Gruppenausstellung The Male Figure XV 

Naro Pinosa, Prince Albert, Fotomontage/C-Print, 36,5x47,5cm, sign., dat. 2026

The Male Figure XV
Internationale Gruppenausstellung
noch bis 11. April 2026

In der aktuellen Gruppenausstellung „The Male Figure XV“ zeigen wir erstmalig Werke von Naro Pinosa. Der Spanier nutzt die Kunstgattung der Montage und perfektioniert die Ästhetik des Fragments, um Details in neue Kontexte zu stellen. Er macht damit eine Art generalisierte Ästhetik und Erotik über Epochen und Stile hinweg sichtbar. Dabei nutzt er keine Ausschnitte der vermeintlichen Realität, sondern vorhandene Kunstwerke und fügt ihnen durch diese Re-Kontextualisierung eine Bedeutungsebene hinzu. Das Ergebnis zwingt zum genauen Hinschauen und überzeugt durch eine ganz eigene Verbindung von Brüchen und fließenden Übergängen.

The Male Figure XV – Internationale Gruppenausstellung

The Male Figure

The Male Figure XV
Internationale Gruppenausstellung
ab 26. Februar 2026

Mit Arbeiten von Ines Buff, Uwe Brzezek, Luke Carter, Andreas Ehret, Giuseppe Fiore, Marc Glasze, Markus Hoffmann-Achenbach, Achim Horras, Christian Horras, Daniel Jean, Gerhard Knell, Frank Kleineidam, Pierre-Etienne Lenoir, Philipp Liehr, Nils Martin Müller, Naro Pinosa, Robert C. Rore, Jens Schubert, Gökhan Tuncyürek, Max Ströder, David Weikert, Urszula Widgowska, u.a.

Im fünfzehnten Jahr zeigt die Kunstbehandlung mit der internationalen Gruppenausstellung „The Male Figure“ ein facettenreiches Panorama zeitgenössischer Männerbilder, das frische Perspektiven auf die Darstellung des Männlichen eröffnet. Die international beachtete Werkschau präsentiert eine globale Mischung aus festen Größen der Galerie und aufstrebenden, spannenden Talenten. So entsteht eine vielschichtige Gesamtschau, die den Blick auf die Darstellung des Mannes schärft und erweitert.

Das Besondere an der Gruppenausstellung ist die multidimensionale Auseinandersetzung mit Männlichkeit, die weit über das Genre des Akts hinausgeht. Die gezeigten Werke zeichnen sich durch eine Diversität aus, die häufig einen Bogen zur Kunstgeschichte spannt und bekannte Bildsprachen neu interpretiert. In der Vielfalt der Stile und Techniken, von Porzellanarbeiten über Collagen, verschiedenen Drucktechniken und natürlich Malerei, finden sich ganz unterschiedliche Annäherungen an das Sujet – kritisch bis humorvoll, naturalistisch bis sinnlich und oft mit fein dosierter Erotik.

Die Vernissage findet am 26. Februar 2026 ab 18 Uhr statt.

Kunstbehandlung Kalender 2026

Unser Kunstbehandlung Kalender bietet jeden Monat gleich zwei Motive und zeigt so einen sehr vielseitigen Überblick aus unserem Galerieprogramm. 24 Männer in unterschiedlichsten Posen, festgehalten in abwechselnden künstlerischen Techniken und Stilen, erinnernd an vielerlei Kunstepochen begleiten so durch das Jahr 2026.

Kunstbehandlung Kalender 2026, verschiedene Künstler, Spiralbindung, 15 Blatt, doppelseitig bedruckt, 24 Abbildungen, 14,8x21cm, 250g Bilderdruck, durchg. 4-farbig

Robert C. Rore Kalender 2026

Robert C. Rore Jahreskalender 2026

15 Männer für 12 Monate gibt’s in Robert C. Rores Kalender für 2026. Er setzt sie in Szene vor imposanter Berglandschaft im romantischen Alpenglühen, am menschenleeren Strand, im heimischen Bad bei der Morgentoilette oder chillend bei der Zeitungslektüre. Dabei bedient er sich respektlos bei Alten Meistern, überhöht Klischees, zitiert Mythen und nimmt den Betrachter mit auf eine Reise durch Epochen und Genres.

Robert C. Rore Kalender 2026, Spiralbindung, 15 Blatt, 14,8x21cm, 250g Bilderdruck, durchg. 4-farbig

Kurt Walters Kalender 2026

Kurt Walters Kalender 2026

Kurt Walters Bilder zeigen Szenen voller farbenfroher Lebendigkeit. Walters‘ Stil, den er als „ironischen Klassizismus“ bezeichnet, zitiert unverkennbar unterschiedliche Formen aus Barock, Klassizismus und den frühen Meistern der Renaissance. Seine Arbeiten zeigen eine Obsession für Details und komponieren durchdachte Szenerien vor einem illustrativen Hintergrund. Gemütliche Bauernstuben, duftende Backstuben oder pittoreske Stadtansichten vermitteln auf den ersten Blick Postkartenromantik und Heimatphantasien. Der zweite Blick enthüllt die raffinierten Kompositionen mit ihren Nuancen und Blickachsen. Immer im Bildzentrum steht ein prächtiger Protagonist, oft mit durchdringendem Blick, der die Szene dominiert – gerne auch mal mit freiem Oberkörper bei der Stubnmusi. Diese dezente Erotik lädt den Betrachter ein, die Geschichte hinter dem Bild weiterzuspinnen.

Kurt Walters Kalender 2026, Spiralbindung, 15 Blatt, 14,8x21cm, 250g Bilderdruck, durchg. 4-farbig