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Herrschaftliche Herdentiere und urbane Archäologie bei der Gruppenausstellung „en détail 3“

Marta Zientkowska, Hahn 1, Öl/Schlagmetall auf Holz, 30x30cm, sign., dat. 2026

In der aktuellen Gruppenausstellung „en détail 3“ zeigen wir Werke von Marta Zientkowska-Schulz.
Aus einer Porträtserie stammen die Gemälde, die Hahn und Kuh in der Rolle aristokratischer Persönlichkeiten darstellen. Die fotorealistisch gemalten Tiere werden nicht karikiert, sondern würdevoll wie klassische Herrscher inszeniert – mit kostbaren Gewändern, Schmuck und Krone vor goldenem Grund. Durch dieses Spiel mit Symbolen von Macht und Status entsteht ein leiser, absurder Humor.
Zusammen mit Astrid Köhler entstand die Werkgruppe „kleinode(l)“. Ausgangspunkt für die art trouvé-Objekte ist urbane Archäologie: Dinge, die Menschen über Toiletten und Kanalisation verloren haben. Der Abwasserentsorger AmperVerband sammelte und reinigte diese unerwartet persönlichen Fundstücke – darunter ein Rosenkranz, ein Taschenmesser, ein Mobiltelefon und eine Armbanduhr, teils mit noch sichtbaren Gebrauchsspuren.
Eingeschlossen in Kunstharz und mit Licht inszeniert, verwandelt sich das scheinbar Wertlose in leuchtende, detailreiche Kleinodien. Wie in Bernstein konservieren diese Artefakte banale Zeugnisse unserer Gegenwart und erzählen davon, was wir besaßen, benutzten – und verloren haben.

Geflügelter Mythos in der Edition Kunstbehandlung

Die Skulptur „Wings“ von Florin 3D spielt mit dem Kontrast zwischen Körperkult und emotionaler Verletzlichkeit. Die betonte Muskulatur und die heroische Pose stehen hier nicht für Kampf, sondern im Mittelpunkt steht die unaufgeregte, aber spannungsgeladene Intimität zweier Männer – im Moment unmittelbar vor dem Kuss.
Während die Vorderseite vorsichtige Annäherung zeigt, offenbart die Rückseite die bereits umarmenden Arme und damit tiefe Verbundenheit. Die Flügel verleihen dieser männlichen Liebe jene Monumentalität, die die Kunstgeschichte lange Zeit religiösen oder heterosexuellen Motiven vorbehalten hat.

en détail – Internationale Gruppenausstellung

Internationale Gruppenausstellung "en détail", Kunstbehandlung

en détail – Gruppenausstellung
08. – 31. Oktober 2026

Das Detail funktioniert wie eine Lupe, die den Blick vom reinen Motiv direkt auf Maltechnik, Symbole und vom Künstler gelegte Fährten lenkt. In winzigen Elementen – wie einem feinen Lichtreflex oder einem versteckten Gegenstand – verbergen sich oft die spannendsten Hinweise auf für den Betrachter verborgene Szenen und tiefere Bedeutungen. So wird das unscheinbare Nebensächliche zum eigentlichen Schlüssel um die Szenerie vollständig zu erforschen. Bei den Werken der Gruppenausstellung „en détail“ sind feinste Einzelheiten elementar. In Art trouvé-Objekten wird das Detail ergänzt durch die Aura der Geschichte, die an einem vorgefundenen Objekt haftet. In harmonisch dirigierten Montagen nimmt das Detail eine, unauffällige, aber strukturierende Rolle ein. Manchmal zieht ein einzelnes Haar ein bisschen zu viel Aufmerksamkeit auf sich und in kleinen Skulpturen entscheidet das Detail darüber, wie die Illusion über die Materialität funktioniert. Die Gruppenausstellung nimmt mit auf eine detailreiche Spurensuche zwischen bedeutungsvollen Ausschnitten der dargestellten Welt.

30 Jahre Kunstbehandlung – Jubiläumsausstellung

Seit 1996 prägt die Kunstbehandlung mit ihrer markanten roten Fassade und dem unscharfen Schriftzug, der an der eigenen Wahrnehmung zweifeln lässt, das Münchner Glockenbachviertel. Schon von außen wird bei diesem Logo klar: Hier werden Sehgewohnheiten hinterfragt, das Blickfeld unerwartet erweitert.

Auch nach drei Jahrzehnten und über 280 Ausstellungen bleibt unsere unstillbare Neugier auf neue, nie gesehene Bilder der kreative Motor der Kunstbehandlung.

Zur Jubiläumsausstellung haben wir Künstler der Galerie eingeladen. Darunter Wegbegleiter der ersten Stunde und junge Talente, die erst seit kurzem im Ausstellungsprogramm sind. Die Jubiläumsschau bietet so einen repräsentativen Querschnitt aus der langjährigen Galeriearbeit. Die Exponate laden ein zum Entdecken, zum Schwelgen in kollektiven Erinnerungen, zum Amüsieren und Genießen.

Die Vernissage findet am Donnerstag, den 9. Juli 2026 ab 18:00 Uhr statt. Wir freuen uns auf Ihren Besuch in der Müllerstraße – oder virtuell.

Kabinettausstellung Naro Pinosa

Naro Pinosa, El Emperador, Fotomontage/C-Print, 37x51cm, Blattgröße DIN A2 42x59,4cm, Aufl. 1/1, sign., dat. 2026

Der spanische Künstler Naro Pinosa begeistert mit seinen Montagen, die ob ihrer Stimmigkeit verblüffen, zum genauen Hinschauen zwingen und unsere Sehgewohnheiten mit einem Augenzwinkern hinterfragen. Er perfektioniert die Ästhetik des Fragments und schafft Eyecatcher über Epochen und Stile hinweg, kreiert narrative Räume. Die funktionieren wie Träume oder Erinnerungen – in Details, Symbolen und sich überlagernden Schichten. Über die visuellen Brüche inszeniert Naro Pinosa sinnliches Begehren, das Versteckte und verführerische Intimität.

Die Kunsthalle München zeigt Naro Pinosas Werk aktuell ebenfalls, bei uns sind seine Werke noch bis 4. Juli zu sehen. Ab 9. Juli begehen wir dann unser 30-jähriges Jubiläum mit einer spannenden Gruppenausstellung.

Magic Bar Tour 2026 mit Preview Naro Pinosa

Naro Pinosa, Descanso, 2026

Die Kunstbehandlung ist von Anfang an, seit 26 Jahren, Station auf der Magic Bar Tour. Zwischen 16 und 20 Uhr bieten wir am Mittwoch, 3. Juni, am Abend vor dem bayerischen Feiertag Fronleichnam, ein prickelndes Glas gut gekühlten Prosecco und eine Preview zur ersten Einzelausstellung von Naro Pinosa.

Der Spanier nutzt die Kunstgattung der Montage und perfektioniert die Ästhetik des Fragments, um Details in neue Kontexte zu stellen. Das Ergebnis zwingt zum genauen Hinschauen und überzeugt durch eine ganz eigene Verbindung von Brüchen, fließenden Übergängen und verführerischer Sinnlichkeit. In der Kunsthalle München ist Naro Pinosas Werk aktuell ebenfalls zu sehen.

Kurt Walters Gemälde mit modernen Interpretationen von Heimatidylle an verborgenen, privaten Orten und attraktiven Männern in freier Wildbahn werden zur Magic Bar Tour auch gezeigt.

Kurt Walters – Kabinettausstellung 2026

Kurt Walters
Kabinettausstellung 2026
13. Mai – 6. Juni 2026

Kurt Walters kombiniert in seinen Gemälden faszinierend Sehnsucht und Provokation. Er greift die tief verwurzelten Motive der deutschen Romantik und alpinen Folklore auf, befreit das oft konservative Sujet der Heimatmalerei jedoch aus seiner Verstaubtheit. An verborgenen, privaten Rückzugsorten platziert er attraktive Männer in zeitgenössischen Kontexten und erschafft so eine völlig neue Idylle.

Walters’ Werk ist ein intellektuelles Spiel mit Referenzen: Von antiker Mythologie über die kühle Ästhetik der Neuen Sachlichkeit bis hin zu homoerotischen Traditionen. Dass er zudem ein meisterhafter Landschaftsmaler ist, rückt angesichts der intensiven Körperlichkeit und der elektrisierenden Blickkontakte in freier Wildbahn fast in den Hintergrund – und genau darin liegt die fesselnde Spannung seiner Kunst.

Die Vernissage findet am Tag vor Christi Himmelfahrt, am Mittwoch, den 13. Mai 2026 ab 18:00 Uhr statt.

Nils Martin Müller bei der Gruppenausstellung The Male Figure XV

Nils Martin Müller, Daydream, Installation aus Papier/Pappe/Holz/Heißkleber unter Glassturz, H 42cm,  Ø 23cm, dat. 2017

The Male Figure XV
Internationale Gruppenausstellung
noch bis 11. April 2026

Tagträume sind eine Brücke zwischen der harten Realität und der grenzenlosen inneren Welt, sie thematisieren Identität, Eskapismus und die Dehnung von Zeit. Mit seiner Technik der räumlichen Collage und des Papierschnitts macht Nils Martin Müller den Zustand des Tagträumens physisch erfahrbar, wenn die Augen des Betrachters in seiner opulenten Miniatur in der aktuellen Gruppenausstellung „The Male Figure XV“ auf Reise gehen. Ausgangsmaterial von Müllers Arbeiten sind Fundstücke aus der visuellen Massenkultur – Trivialmagazine, Modezeitschriften oder Clubplakate –, die aus ihrem ursprünglichen Kontext gelöst und neu arrangiert werden. In der Arbeit für „The Male Figure XV“ steht dabei explizit der Queer Gaze sowie eine homoerotische Perspektive im Fokus, die Betrachter*innen dazu einlädt, eigene Sehgewohnheiten zu reflektieren und zu hinterfragen.

Nils Martin Müller, Daydream, Installation aus Papier/Pappe/Holz/Heißkleber unter Glassturz, H 42cm,  Ø 23cm, dat. 2017

Gökhan Tuncyürek bei der Gruppenausstellung The Male Figure XV

The Male Figure XV
Internationale Gruppenausstellung
noch bis 11. April 2026

Geprägt vom Berliner Graffiti der 1990er Jahre, transformiert Gökhan Tuncyürek die Dynamik des „Style-Writing“ in eine eigenständige, abstrakte Formensprache. Seine Kompositionen bewegen sich zwischen der Strenge des lateinischen Alphabets und Einflüssen des Konstruktivismus. Dabei bricht Tuncyürek die urbane Ästhetik in komplexe Symmetrien auf, die weit über klassische Graffiti-Assoziationen hinausgehen. In seinen skulpturalen Arbeiten nutzt er vorzugsweise Holz, um die Facetten menschlicher Existenz greifbar zu machen. Die markanten, kantigen Formen verstehen sich als bewusster Kontrapunkt zur gesellschaftlichen Konformität. In der in der Gruppenausstellung „The Male Figure XV“ gezeigten Arbeit „protect me“ thematisiert er das Paradoxon von Schutz und Verletzlichkeit: Eine abweisende Hülle aus Spitzen fungiert als Schutzschild, während im Inneren ein weicher Kern die männliche Zerbrechlichkeit offenbart. Ein energievolles, dynamisches Werk, das urbane Street Art in zeitgenössische, skulpturale Abstraktion überführt.

David Weikert bei der Gruppenausstellung The Male Figure XV

David Weikert, threadbare, Stickerei auf Baumwolltuch, ca. 80x50cm, 2026

The Male Figure XV
Internationale Gruppenausstellung
noch bis 11. April 2026

„Threadbare“ – „Fadenscheinig“ hat David Weikert eine Stickerei auf Baumwolltuch betitelt, die wir in der Gruppenausstellung „The Male Figure XV“ zeigen. Als Betrachter möchte man in die dichte, pyramidenartige Ansammlung von männlichen Akten hineinzoomen. Die Gruppe nackter Männer ist scheinbar unauflöslich ineinander verschlungen. Unregelmäßig und fast „nervös“ wirkt die Linienführung, was den Figuren eine fragile, fast zitternde Lebendigkeit verleiht. Die Komposition erinnert dabei an klassische Motive der Kunstgeschichte, wie etwa Darstellungen des Jüngsten Gerichts oder ringende Athleten. Die Materialität aus Tuch und Faden nimmt aber die Schwere eines klassischen Historienbildes und übersetzt sie in Leichtigkeit und Fragilität. Der Faden als zeichnerisches Mittel, als Liniengeber wird in der „Subversive Stitch“-Bewegung als Medium umgedeutet – vormals als rein dekorativ wahrgenommene Stickerei eignet sich hier männliche Akte an, ein klassisches Thema der Malerei und Bildhauerei. Die Langsamkeit des Stickens ist außerdem ein Gegenentwurf zur schnellen, digitalen Bildproduktion.