Gökhan Tuncyürek bei der Gruppenausstellung The Male Figure XV

The Male Figure XV
Internationale Gruppenausstellung
noch bis 11. April 2026

Geprägt vom Berliner Graffiti der 1990er Jahre, transformiert Gökhan Tuncyürek die Dynamik des „Style-Writing“ in eine eigenständige, abstrakte Formensprache. Seine Kompositionen bewegen sich zwischen der Strenge des lateinischen Alphabets und Einflüssen des Konstruktivismus. Dabei bricht Tuncyürek die urbane Ästhetik in komplexe Symmetrien auf, die weit über klassische Graffiti-Assoziationen hinausgehen. In seinen skulpturalen Arbeiten nutzt er vorzugsweise Holz, um die Facetten menschlicher Existenz greifbar zu machen. Die markanten, kantigen Formen verstehen sich als bewusster Kontrapunkt zur gesellschaftlichen Konformität. In der in der Gruppenausstellung „The Male Figure XV“ gezeigten Arbeit „protect me“ thematisiert er das Paradoxon von Schutz und Verletzlichkeit: Eine abweisende Hülle aus Spitzen fungiert als Schutzschild, während im Inneren ein weicher Kern die männliche Zerbrechlichkeit offenbart. Ein energievolles, dynamisches Werk, das urbane Street Art in zeitgenössische, skulpturale Abstraktion überführt.

David Weikert bei der Gruppenausstellung The Male Figure XV

David Weikert, threadbare, Stickerei auf Baumwolltuch, ca. 80x50cm, 2026

The Male Figure XV
Internationale Gruppenausstellung
noch bis 11. April 2026

„Threadbare“ – „Fadenscheinig“ hat David Weikert eine Stickerei auf Baumwolltuch betitelt, die wir in der Gruppenausstellung „The Male Figure XV“ zeigen. Als Betrachter möchte man in die dichte, pyramidenartige Ansammlung von männlichen Akten hineinzoomen. Die Gruppe nackter Männer ist scheinbar unauflöslich ineinander verschlungen. Unregelmäßig und fast „nervös“ wirkt die Linienführung, was den Figuren eine fragile, fast zitternde Lebendigkeit verleiht. Die Komposition erinnert dabei an klassische Motive der Kunstgeschichte, wie etwa Darstellungen des Jüngsten Gerichts oder ringende Athleten. Die Materialität aus Tuch und Faden nimmt aber die Schwere eines klassischen Historienbildes und übersetzt sie in Leichtigkeit und Fragilität. Der Faden als zeichnerisches Mittel, als Liniengeber wird in der „Subversive Stitch“-Bewegung als Medium umgedeutet – vormals als rein dekorativ wahrgenommene Stickerei eignet sich hier männliche Akte an, ein klassisches Thema der Malerei und Bildhauerei. Die Langsamkeit des Stickens ist außerdem ein Gegenentwurf zur schnellen, digitalen Bildproduktion.

Jens Schubert bei der Gruppenausstellung The Male Figure XV

Jens Schubert, Stecher, Prägedruck in Bütten, Variation 1/5, 60x42cm, sign., dat. 2024

The Male Figure XV
Internationale Gruppenausstellung
noch bis 11. April 2026

Die Prägetechnik auf Büttenpapier entstand mit der Druckgrafik. Erst in der Moderne emanzipierte sich die Prägung vom Bildinhalt und wurde zur Skulptur auf der Fläche. Die Prägungen modulieren Licht und Schatten, das Papier selbst wird durch die Verformung zum dreidimensionalen Objekt. In der aktuellen Gruppenausstellung The Male Figure XV ist Jens Schubert mit einem Werk vertreten, das diese Technik nutzt, um den Bildinhalt erst auf den zweiten Blick erkennbar zu machen. Das Werk vereint einen sanften, ätherisch wirkenden Farbverlauf im Hintergrund mit einer extrem präzisen Blindprägung aus harter Geometrie. Das komplexe Geflecht besteht aus Dreiecken, Kreisen und Linienbündeln und fast schon architektonischen oder maschinenartigen Versatzstücken. In der Bildmitte bildet eine organische Struktur den Gegenpol zu den technischen Linien. Durch die Pastelltöne wirkt die Komposition trotz ihrer Komplexität leicht, fast schwebend. Erst ein Schritt zurück offenbart den Bildinhalt. Die traditionelle Schwere des Büttenpapiers bricht mit der modernen Farbigkeit und dem Motiv. Selbst der Titel „Stecher“ könnte eine Anspielung auf das Handwerk des Kupferstechers sein, welches die hier für die Prägeform genutzte Metallbearbeitung begründet hat. Jens Schubert lässt offen, ob er den Titel darauf, oder den Bildinhalt bezieht.

Ines Buff bei der Gruppenausstellung The Male Figure XV

Ines Buff, Im Museum, Öl, Textilcollage aus gebrauchten Stoffen, 78x45cm, sign. inverso, dat. 2024

The Male Figure XV
Internationale Gruppenausstellung
noch bis 11. April 2026

Ines Buff ist fasziniert von Spuren. Seit 15 Jahren geht sie künstlerisch auf Spurensuche. Sie macht Spuren sichtbar und füllt sie mit Informationen. Der Mensch ist dabei Akteur oder Nebensache, er ist Abbild oder Spurenverursacher. Ines Buff nutzt in ihren Werken Techniken der Malerei und Zeichnung und verbindet diese mit Textilkunst, Drucktechniken und Collagen. In der aktuellen Gruppenausstellung ist die freischaffende Künstlerin mit einer Textilcollage mit dem Titel „Im Museum“ vertreten. Die verwendeten Materialien zeigen Spuren des Gebrauchs. Die Bildkomposition fasziniert, so einfach sie ist. Sie ist ein Abbild der Situation, die vor ihrem Werk in der unmittelbaren Gegenwart stattfindet. Das Auge des Betrachters sucht einen Fokus. Ist es der Mann, ist es das Bild im Hintergrund. Oder verweist vielmehr die Blickrichtung des Akteurs auf den Mittelpunkt, der außerhalb des Bildes liegt und damit unserer Vorstellung überlassen bleibt? Das Werk führt die Szene über seinen Rand hinaus. Ines Buff nimmt uns mit auf ihrer Spurensuche und legt dabei detailverliebt Fährten, Vergangenes und Gegenwärtiges werden in Material und Motiv miteinander verknüpft… und am Ende dieses Prozesses hinterlässt sie ihre Spuren.

Andreas Ehret bei der Gruppenausstellung The Male Figure XV

The Male Figure XV
Internationale Gruppenausstellung
noch bis 11. April 2026

Andreas Ehret hat 1975 seine Ausbildung als Porzellandreher in der Berufsschule der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meißen begonnen. Anfang der 1990er-Jahre arbeitete er in der künstlerischen Entwicklung der Meißener Manufaktur und absolvierte parallel ein Design-Studium. Seit fast 20 Jahren ist er jetzt als freischaffender Porzellan-Designer tätig. Für ihn ist sein künstlerisches Medium Porzellan ein „charismatischer Stoff, [es ist] eine Herausforderung […] es zu beseelen, zu befragen, indem ich Konflikte in die Formen hereintrage…“. Andreas Ehret hat seine eigene Technik der Porzellanarbeit entwickelt, weil er frei mit dem Material arbeiten möchte. Figürliches Porzellan wird in der Regel seriell gefertigt. Es wird zunächst ein Tonmodell erstellt, dieses in ausformbare Teile zerlegt, von denen dann Gipsformen abgegossen werden. So entstehen aber keine Unikate. Deshalb walzt Ehret plastische Porzellanmasse in gleichmäßiger Stärke aus und schneidet die Teile im lederhaften Zustand zurecht. Diese werden dann mit Porzellanschlicker zu einer Figur zusammengesetzt. Dabei muss beachtet werden, dass das Material im Brand weich wird. Der Künstler arbeitet also als Statiker, der die zusammengefügten Teile sich gegenseitig stützen lässt. Diese Technik hat für Ehret den Reiz, dass sie zu einer gewissen Abstraktion und Konzentration auf das Wesentliche zwingt. Thematisch fokussiert sich Ehret auf die männliche Figur und den individuellen Umgang mit Lustempfinden. Oft zitiert er mit seinen Skulpturen andere Kunstwerke oder Kunstfiguren und überführt sie in seine eigene Formensprache.

Urszula Widgowska bei der Gruppenausstellung The Male Figure XV

Urszula Widgowska, Poolboy, Filzrelief, 50x74cm, sign., dat. 2026, gerahmt

The Male Figure XV
Internationale Gruppenausstellung
noch bis 11. April 2026

Urszula Widzgowska, geboren 1985 in Żary (Polen), lebt und arbeitet seit 2010 als freischaffende Künstlerin in Deutschland. Nach ihrem Masterstudium der Malerei an der Universität Zielona Góra wandte sie sich zunehmend der Textilkunst und modernen Bildhauerei zu. Farbe, Struktur und Material kombiniert sie in ihren Arbeiten zu einem Hybrid zwischen Malerei, Relief und Objektkunst. In der Gruppenausstellung „The Male Figure XV“ zeigen wir ein Werk aus ihrer Serie „Male Archetypes“. Widzgowska überführt bei diesen Arbeiten konsequent die traditionelle Technik des Nassfilzens in den Bereich der Fine Arts und schafft textile Reliefs und Skulpturen, bei denen die Schafwolle als Medium fungieren darf. In Kombination mit Pop-Art-Elementen und der Referenzierung männlicher Archetypen, entzieht die Künstlerin dem Material seine rein dekorative Funktion. Die haptische, fast archaische Struktur der Wolle macht die Tiefe und Komplexität der männlichen Figur physisch erlebbar. Die Filzreliefs entstehen in hunderten Arbeitsstunden durch den gezielten Einsatz von Reibung und Druck und sind eine beindruckende Synthese aus haptischer Erfahrung und bildhafter Ästhetik.

Philipp Liehr bei der Gruppenausstellung The Male Figure XV

The Male Figure XV
Internationale Gruppenausstellung
noch bis 11. April 2026

Philipp Liehr wurde 1986 im unterfränkischen Kitzingen geboren. Er absolvierte eine Ausbildung zum Holzbildhauer an der Berufsfachschule München und ist seit zehn Jahren als freischaffender Künstler mit Atelier in Halle (Saale) tätig. Seine Skulpturen zeigen vermeintlich unbeobachtete, anonyme Menschen, die teils bekleidet, teils im Akt des Ausziehens dargestellt sind. Dabei rückt Liehr das Alltägliche immer mehr als das Heldenhafte in seine Momentaufnahmen. Die aufwändige Arbeit und das edle Lindenholz bleiben damit nicht nur Herrschenden oder Heiligen vorbehalten. Die vom Material geführten Holzarbeiten sind ein Kontrapunkt zur Reproduzierbarkeit von 3D-Drucken. Die Szenografien Liehrs stellen die existenzielle Frage, was den Menschen jenseits gesellschaftlicher Rollen wirklich ausmacht. Durch das Spiel mit unterschiedlichen Proportionen, subtiler oder maskierter Mimik und humorvollen Accessoires reflektieren Liehrs Protagonisten die Haltung und die Weltbilder ihrer Betrachter und bleiben dabei immer auf Augenhöhe.

Daniel Jaen bei der Gruppenausstellung The Male Figure XV

Daniel Jaen, Territory III, Öl auf Leinwand, 50x50cm, sign. inverso, dat. 2025, gerahmt

The Male Figure XV
Internationale Gruppenausstellung
noch bis 11. April 2026

Daniel Jaen ist in Brasilien geboren wurde und lebt derzeit in Spanien. Den männlichen Körper zeigt er in seinen Werken als Ort der Verletzlichkeit, des Begehrens und als Manifestation der politischen Sichtbarkeit. Mit figurativer Malerei lotet er die Spannung zwischen Intimität und Entblößung aus und hinterfragt, wie der moderne queere männliche Körper in der heutigen Gesellschaft konstruiert, mythologisiert und wahrgenommen wird. Seine dynamischen und fragmentierten Pinselstriche evozieren männliche Zerbrechlichkeit und lassen Figuren in ihren sensibelsten und instabilsten Formen hervortreten. Sichtbare Skizzenstriche, fragile Farbschichten und vermeintlich unvollendete Bereiche führen seine Gemälde über die physische Darstellung hinaus und eröffnen psychologische und emotionale Dimensionen von Identitäten. Jedes Gemälde ist an der Schwelle zwischen dem Persönlichen und dem Kollektiven verortet, wo sich für Jaen Sinnlichkeit und stille Rebellion begegnen.

Pierre Etienne Lenoir bei der Gruppenausstellung The Male Figure XV

Pierre Etienne Lenoir, Onsen, Acryl auf Leinwand, 73x100cm, sign., dat. 2025, gerahmt

The Male Figure XV
Internationale Gruppenausstellung
noch bis 11. April 2026

Pierre Etienne Lenoir hat parallel zu einer juristischen Berufslaufbahn zum künstlerischen Schaffen gefunden. Aus der Juristerei ist ihm geblieben, die Welt mit analytischer Strenge zu betrachten, Strukturen zu durchdringen und sowohl das Sichtbare als auch das Unsichtbare zu hinterfragen. Mit seinen Werken versucht er nicht, eine Idee zu illustrieren, sondern ihre Beschaffenheit zu erspüren und ihre Komplexität in bildnerische Formen zu übersetzen. Seine Arbeiten zeigen sein Bedürfnis nach Ordnung und Struktur. Jedes Gemälde ist ein kathartischer Versuch, das Chaos der Welt in eine lesbare und poetische Form zu bringen, und zugleich eine Einladung, sie anders zu betrachten. Kräftige, klare Acrylfarben werden durch ein Netz schwarzer Linien strukturiert, das an Kirchenfenster erinnert und die architektonische Dimension jeder Leinwand verstärkt. Mit seinem markanten Stil an der Schnittstelle von Kubismus, Art Déco und grafischer Erzählkunst erschafft er Szenen des Alltags neu, indem er sie in Facetten zerlegt. Männliche Figuren in Momenten der Intimität interessieren Lenoir besonders und trotz der Zersplitterung in geometrische Formen arbeitet er seine Motive extrem präzise und plastisch aus und erschafft damit kraftvolle und dennoch ruhende Momentaufnahmen, bei denen die harten Kanten der Geometrie mit der organischen Form des menschlichen Körpers kontrastieren.

Naro Pinosa bei der Gruppenausstellung The Male Figure XV 

Naro Pinosa, Prince Albert, Fotomontage/C-Print, 36,5x47,5cm, sign., dat. 2026

The Male Figure XV
Internationale Gruppenausstellung
noch bis 11. April 2026

In der aktuellen Gruppenausstellung „The Male Figure XV“ zeigen wir erstmalig Werke von Naro Pinosa. Der Spanier nutzt die Kunstgattung der Montage und perfektioniert die Ästhetik des Fragments, um Details in neue Kontexte zu stellen. Er macht damit eine Art generalisierte Ästhetik und Erotik über Epochen und Stile hinweg sichtbar. Dabei nutzt er keine Ausschnitte der vermeintlichen Realität, sondern vorhandene Kunstwerke und fügt ihnen durch diese Re-Kontextualisierung eine Bedeutungsebene hinzu. Das Ergebnis zwingt zum genauen Hinschauen und überzeugt durch eine ganz eigene Verbindung von Brüchen und fließenden Übergängen.