Schlagwort-Archiv: Skulptur

Gökhan Tuncyürek bei der Gruppenausstellung The Male Figure XV

The Male Figure XV
Internationale Gruppenausstellung
noch bis 11. April 2026

Geprägt vom Berliner Graffiti der 1990er Jahre, transformiert Gökhan Tuncyürek die Dynamik des „Style-Writing“ in eine eigenständige, abstrakte Formensprache. Seine Kompositionen bewegen sich zwischen der Strenge des lateinischen Alphabets und Einflüssen des Konstruktivismus. Dabei bricht Tuncyürek die urbane Ästhetik in komplexe Symmetrien auf, die weit über klassische Graffiti-Assoziationen hinausgehen. In seinen skulpturalen Arbeiten nutzt er vorzugsweise Holz, um die Facetten menschlicher Existenz greifbar zu machen. Die markanten, kantigen Formen verstehen sich als bewusster Kontrapunkt zur gesellschaftlichen Konformität. In der in der Gruppenausstellung „The Male Figure XV“ gezeigten Arbeit „protect me“ thematisiert er das Paradoxon von Schutz und Verletzlichkeit: Eine abweisende Hülle aus Spitzen fungiert als Schutzschild, während im Inneren ein weicher Kern die männliche Zerbrechlichkeit offenbart. Ein energievolles, dynamisches Werk, das urbane Street Art in zeitgenössische, skulpturale Abstraktion überführt.

Andreas Ehret bei der Gruppenausstellung The Male Figure XV

The Male Figure XV
Internationale Gruppenausstellung
noch bis 11. April 2026

Andreas Ehret hat 1975 seine Ausbildung als Porzellandreher in der Berufsschule der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meißen begonnen. Anfang der 1990er-Jahre arbeitete er in der künstlerischen Entwicklung der Meißener Manufaktur und absolvierte parallel ein Design-Studium. Seit fast 20 Jahren ist er jetzt als freischaffender Porzellan-Designer tätig. Für ihn ist sein künstlerisches Medium Porzellan ein „charismatischer Stoff, [es ist] eine Herausforderung […] es zu beseelen, zu befragen, indem ich Konflikte in die Formen hereintrage…“. Andreas Ehret hat seine eigene Technik der Porzellanarbeit entwickelt, weil er frei mit dem Material arbeiten möchte. Figürliches Porzellan wird in der Regel seriell gefertigt. Es wird zunächst ein Tonmodell erstellt, dieses in ausformbare Teile zerlegt, von denen dann Gipsformen abgegossen werden. So entstehen aber keine Unikate. Deshalb walzt Ehret plastische Porzellanmasse in gleichmäßiger Stärke aus und schneidet die Teile im lederhaften Zustand zurecht. Diese werden dann mit Porzellanschlicker zu einer Figur zusammengesetzt. Dabei muss beachtet werden, dass das Material im Brand weich wird. Der Künstler arbeitet also als Statiker, der die zusammengefügten Teile sich gegenseitig stützen lässt. Diese Technik hat für Ehret den Reiz, dass sie zu einer gewissen Abstraktion und Konzentration auf das Wesentliche zwingt. Thematisch fokussiert sich Ehret auf die männliche Figur und den individuellen Umgang mit Lustempfinden. Oft zitiert er mit seinen Skulpturen andere Kunstwerke oder Kunstfiguren und überführt sie in seine eigene Formensprache.

Urszula Widgowska bei der Gruppenausstellung The Male Figure XV

Urszula Widgowska, Poolboy, Filzrelief, 50x74cm, sign., dat. 2026, gerahmt

The Male Figure XV
Internationale Gruppenausstellung
noch bis 11. April 2026

Urszula Widzgowska, geboren 1985 in Żary (Polen), lebt und arbeitet seit 2010 als freischaffende Künstlerin in Deutschland. Nach ihrem Masterstudium der Malerei an der Universität Zielona Góra wandte sie sich zunehmend der Textilkunst und modernen Bildhauerei zu. Farbe, Struktur und Material kombiniert sie in ihren Arbeiten zu einem Hybrid zwischen Malerei, Relief und Objektkunst. In der Gruppenausstellung „The Male Figure XV“ zeigen wir ein Werk aus ihrer Serie „Male Archetypes“. Widzgowska überführt bei diesen Arbeiten konsequent die traditionelle Technik des Nassfilzens in den Bereich der Fine Arts und schafft textile Reliefs und Skulpturen, bei denen die Schafwolle als Medium fungieren darf. In Kombination mit Pop-Art-Elementen und der Referenzierung männlicher Archetypen, entzieht die Künstlerin dem Material seine rein dekorative Funktion. Die haptische, fast archaische Struktur der Wolle macht die Tiefe und Komplexität der männlichen Figur physisch erlebbar. Die Filzreliefs entstehen in hunderten Arbeitsstunden durch den gezielten Einsatz von Reibung und Druck und sind eine beindruckende Synthese aus haptischer Erfahrung und bildhafter Ästhetik.