Schlagwort-Archiv: textilarbeit

David Weikert bei der Gruppenausstellung The Male Figure XV

David Weikert, threadbare, Stickerei auf Baumwolltuch, ca. 80x50cm, 2026

The Male Figure XV
Internationale Gruppenausstellung
noch bis 11. April 2026

„Threadbare“ – „Fadenscheinig“ hat David Weikert eine Stickerei auf Baumwolltuch betitelt, die wir in der Gruppenausstellung „The Male Figure XV“ zeigen. Als Betrachter möchte man in die dichte, pyramidenartige Ansammlung von männlichen Akten hineinzoomen. Die Gruppe nackter Männer ist scheinbar unauflöslich ineinander verschlungen. Unregelmäßig und fast „nervös“ wirkt die Linienführung, was den Figuren eine fragile, fast zitternde Lebendigkeit verleiht. Die Komposition erinnert dabei an klassische Motive der Kunstgeschichte, wie etwa Darstellungen des Jüngsten Gerichts oder ringende Athleten. Die Materialität aus Tuch und Faden nimmt aber die Schwere eines klassischen Historienbildes und übersetzt sie in Leichtigkeit und Fragilität. Der Faden als zeichnerisches Mittel, als Liniengeber wird in der „Subversive Stitch“-Bewegung als Medium umgedeutet – vormals als rein dekorativ wahrgenommene Stickerei eignet sich hier männliche Akte an, ein klassisches Thema der Malerei und Bildhauerei. Die Langsamkeit des Stickens ist außerdem ein Gegenentwurf zur schnellen, digitalen Bildproduktion.

Urszula Widgowska bei der Gruppenausstellung The Male Figure XV

Urszula Widgowska, Poolboy, Filzrelief, 50x74cm, sign., dat. 2026, gerahmt

The Male Figure XV
Internationale Gruppenausstellung
noch bis 11. April 2026

Urszula Widzgowska, geboren 1985 in Żary (Polen), lebt und arbeitet seit 2010 als freischaffende Künstlerin in Deutschland. Nach ihrem Masterstudium der Malerei an der Universität Zielona Góra wandte sie sich zunehmend der Textilkunst und modernen Bildhauerei zu. Farbe, Struktur und Material kombiniert sie in ihren Arbeiten zu einem Hybrid zwischen Malerei, Relief und Objektkunst. In der Gruppenausstellung „The Male Figure XV“ zeigen wir ein Werk aus ihrer Serie „Male Archetypes“. Widzgowska überführt bei diesen Arbeiten konsequent die traditionelle Technik des Nassfilzens in den Bereich der Fine Arts und schafft textile Reliefs und Skulpturen, bei denen die Schafwolle als Medium fungieren darf. In Kombination mit Pop-Art-Elementen und der Referenzierung männlicher Archetypen, entzieht die Künstlerin dem Material seine rein dekorative Funktion. Die haptische, fast archaische Struktur der Wolle macht die Tiefe und Komplexität der männlichen Figur physisch erlebbar. Die Filzreliefs entstehen in hunderten Arbeitsstunden durch den gezielten Einsatz von Reibung und Druck und sind eine beindruckende Synthese aus haptischer Erfahrung und bildhafter Ästhetik.